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Nikon LC-1424 Mark II

Titelbild

Welcher Besitzer eines Nikon 14-24mm f/2.8G ED kennt es nicht? Nutzt man an diesem Objektiv einen Lee SW-150 oder Haida 150mm Serie Filterhalter, kann der Objektivdeckel von Nikon mit der Bezeichnung LC-1424 nicht mehr vollständig aufgesetzt werden. Ich habe eine einfache und kostengünstige Lösung für dieses Problem gefunden. In diesem Blogbeitrag stelle ich die Details dazu vor.

Als ich im Sommer 2011 meinen gerade neu erworbenen Lee SW-150 Filterhalter auf eine Reise nach Japan mitnahm, verwendete ich noch den originalen Objektivdeckel von Nikon, den ich einfach auf den noch sichtbaren Teil der Gegenlichtblende aufsetzte. Im Land der aufgehenden Sonne war ich jedoch schnell mit einem unerwarteten Problem konfrontiert: der Deckel fiel ständig vom Objektiv und ging so mehrmals beinahe verloren. Im Rucksack fand ich den Deckel nach einer Wanderung oft lose vor dem Objektiv liegend vor. Wahrscheinlich hatte ich einfach nur Glück, dass dabei das gewölbte Frontelement keinen Schaden nahm. Eine schnelle Lösung musste her.

Welche Lösungen bieten die Hersteller der Filterhalter?

Beim Erwerb des Lee SW-150 Filtersets liegt diese schwarze Objektivhaube aus Neopren bei.

Lee Neoprenhaube

Ich entschied mich bewusst gegen die Verwendung dieser Neoprenhaube, und zwar aus folgenden Überlegungen:

Die Haube besteht aus weichem Neopren und schützt deshalb das Glas nur unzureichend vor mechanischen Einflüssen. Zwar lässt sich die Gefahr einer Beschädigung vermindern, indem man den Brennweitenring während des Transports auf 24mm dreht, was das Frontelement 2cm zurücksetzt. Aber die Gefahr einer Beschädigung ist damit nicht beseitigt. Diese Haube ist besser als nichts, aber eben auch nicht mehr.

Wer die Haube über das Objektiv ziehen möchte, benötigt dafür beide Hände. Eine dritte Hand müsste das Objektiv halten, eine vierte allenfalls den Filterhalter. Denn mit angesetztem Filterhalter geht es nicht. Das ist einfach zu umständlich und es besteht erhöhte Gefahr, dass einem bei einem dieser Handgriffe die Ausrüstung zu Boden fällt. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die meisten Landschaftsfotografen den Halter gerne angesetzt lassen. Das gilt zumindest für das Ringsystem, welches das Objektiv umspannt und den eigentlichen Filterhalter hält. Als wären diese Nachteile nicht schon genug, kommt hinzu, dass diese Objektivhaube ein richtiger Staubfänger ist. Einen herkömmlichen Objektivdeckel kann man immerhin ausblasen, diese Objektivhaube nicht.

Wer sich einen Haida 150mm Serie Filterhalter vom chinesischen Hersteller Haida anschafft, sucht im Lieferumfang vergebens nach einer Abdeckung. Hier liegt wohl aus Kostengründen nicht mal eine Haube bei. Vielleicht haben aber die chinesischen Ingenieure einfach erkannt, dass es konsequenter ist, keine Lösung zu bieten als eine halbe. Wer dennoch auf eine Haube nicht verzichten möchte, der muss sich bei einem Dritthersteller wie OP/TECH umsehen.

Welche Lösungen nutzen andere Fotografen?

Die meisten Landschaftsfotografen fixieren den originalen Nikon Objektivdeckel mit einem Gummiband. Jorge Santos aus Brüssel zum Beispiel wählte ebenfalls diese Befestigungsmethode und hat unter anderem dazu einen Blogbeitrag verfasst. Andere Fotografen beißen mangels greifbarer Alternative in den sauren Apfel und stülpen dem Glas trotz evidenter Nachteile weiterhin die Neoprenhaube über. In einem Fotoforum bin ich ausserdem auf einen verzweifelten Versuch gestossen, aussen an der Gegenlichtblende Klebeband oder Pflaster anzubringen, um wenigstens das Verlustrisiko des Deckels zu minimieren.

Ich selbst wollte mich weder ständig mit einem Gummiband beschäftigen, noch eine klebrige Gegenlichtblende haben und noch weniger meinem wertvollen Glas eine Neoprenhaube zumuten.

Weshalb hält der Objektivdeckel nicht?

Die Mehrheit der Objektivdeckel besitzt einen Schnappverschluss. Das war schon immer so und ist sehr praktisch. Ausnahmen bilden Superteles ab 300mm und Spezialgläser. Der aussergewöhnlichen Konstruktion des Nikon 14-24 f/2.8G ED ist es geschuldet, dass kein Schnappverschluss verbaut werden konnte. Das Objektiv besitzt eine festsitzende Gegenlichtblende, welche das gewölbte Frontelement umschliesst. Das unlängst auf den Markt gebrachte Gegenstück, das Canon EF 11-24mm f/4.0L USM verfügt trotz vergleichbarer Konstruktion über einen besseren Mechanismus.

Bei Nikon wird die Abdeckung einfach auf diese Gegenlichtblende aufgeschoben. Wie in der Abbildung zu sehen, befinden sich innenseitig im Deckel acht konisch zulaufende Erhebungen, die für Halt sorgen. Je tiefer der Objektivdeckel auf die zylindrische Gegenlichtblende aufgesetzt werden kann, desto mehr Druck übt die Erhebungen auf die Gegenlichtblende aus und desto besser sitzt er. Im Idealfall sind dies 24mm. Wir entfernen nun einfach einen Teil des Deckelrandes, damit dieser wieder vollständig auf die Gegenlichtblende aufgesetzt werden kann.

Innenseite Deckel

Wieviel muss genau entfernt werden?

Ermitteln wir zunächst die Distanz des Befestigungsrings zur Oberkante der Gegenlichtblende. Dieser Abstand beträgt 14,5 mm.

Distanz 14.5mm

Bringen wir diesen Wert von der Innenhöhe des Objektivdeckels in Abzug, erhalten wir 9,5mm, denn die Innenhöhe beträgt, gemessen von der Oberkante bis zur Auflagefläche der Erhebungen genau 24mm.

Innenhöhe

Soweit die Theorie. In der Praxis gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass das Objektiv unter Umständen auch ohne Filterhalter genutzt werden will. Entfernt man die Halterringe des Filtersystems und setzt den so verkürzten Objektivdeckel auf, dann wird an der tiefsten Stelle der tulpenförmigen Gegenlichtblende Staub eindringen können.

Dies ist hier in der Vergrößerung gut zu sehen:
Zwischenraum

Wer potenziellen Staubeintritt vermeiden möchte, der sollte sich überlegen, anstatt der 9,5mm nur 7mm abzutrennen. Einzige Einschränkung ist ein minimaler Kompromiss bei der Haltefähigkeit.

Ich habe mich letztlich für volle Kürzung von 9,5mm entschieden, weil ich Wert darauf lege, dass der Deckel wirklich gut hält. Es muss aber jeder selbst entscheiden, wo die Prioritäten liegen. Ich nehme die Halterungsringe nur während der Polarlicht- und Astrofotografie vom Objektiv, weil sonst die Verwendung meiner Taukappe von Kendrick Astro Instruments nicht möglich wäre. Einen zweiten Nikon LC-1424 gibt es jedenfalls schon für kleines Geld und das war es mir definitiv wert.

Was wird für den Umbau benötigt?

Bevor es an die Arbeit geht, noch ein wichtiger Hinweis: Der nun folgende Umbau geschieht auf eigenes Risiko. Ich kann keine Haftung übernehmen für allenfalls entstehende Schäden und Verletzungen. Wer an der Durchführbarkeit zweifelt, überlässt den Umbau besser einem Fachmann.

Folgendes Material benötigt man für den Umbau:

– einen Objektivdeckel Nikon LC-1424
– einen Block Post-it
– ein scharfes Kartonmesser
– eine harte, plane Unterlage, z.B. einen stabilen Tisch

Anleitung

Zu Beginn sollte am Objektivdeckel die exakte Schnitthöhe markiert werden, also der Ort, an dem die Klingenspitze ansetzen soll. Das sind entweder 9,5mm oder 7mm, je nach Verwendung des Deckels.

Dann legt man den Objektivdeckel auf eine harte, plane Unterlage. Die Oberfläche eines ganz gewöhnlichen Schreibtischs eignet sich als Arbeitsfläche sehr gut. Mit dem bereit liegenden Post-it Block kann man sich nun sehr genau an die Höhe der Markierung herantasten, indem einzelne Zettel entfernt werden, bis die Klingenspitze des Kartonmessers exakt auf die Markierung zeigt. Wichtig ist, dass ein wirklich scharfes Kartonmesser zum Einsatz kommt, dieses von seiner Bauweise her flach auf dem Post-it Block aufliegen kann und die Klingenspitze wie in der Abbildung orthogonal zur Oberfläche des Objektivdeckels gerichtet ist.

Anleitung Schneiden

Danach kann damit begonnen werden, den Objektivdeckel vorsichtig schrittweise entgegen dem Uhrzeigersinn zu drehen, das Kartonmesser bleibt dabei an Ort. Grundsätzlich gilt: Geringer Druck führt zu einer sauberen Schnittkante. Der gesamte Vorgang dauert damit zwar etwas länger, aber das Ergebnis zählt hier mehr als Geschwindigkeit. Ich schätze, dass ich dafür etwa 60 bis 80 Vollumdrehungen benötigt habe. Es könnten auch ein paar mehr gewesen sein. Im Zweifelsfalle einfach weiterdrehen.

Nach und nach ist eine gut sichtbare Kerbe zu sehen. Die Klinge wird nun von dieser Kerbe geführt. Jetzt kann der Druck vorsichtig etwas erhöht werden. In der Schlussphase sollte man den Druck wieder reduzieren, damit der Abschluß sauber gelingt. Wer mag, kann die Kante abschließend mit einem sehr feinkörnigen Schleifpapier noch etwas abkanten und glätten.

Wie sieht das Ergebnis aus?

Hier die beiden Objektivdeckel im Direktvergleich. Links die verkürzte Version, rechts der originale Nikon LC-1424:

vergleich

So präsentiert sich das Ergebnis aufgesetzt am Haida 150mm Serie Filterhalter. Oben der Originaldeckel, darunter die verkürzte Version.

vergleich angesetzt

Es sind die kleinen Dinge, die das Fotografenleben angenehmer machen. In diesem Sinne danke ich Dirk Wiemer, der mich mit seinem Blogbeitrag zur Befestigung des Kabelauslösers dazu inspiriert hat, es ihm gleichzutun und meine kleinen Errungenschaften des Fotoalltags ebenfalls zu teilen.

Ich verwende meinen überarbeiteten Objektivdeckel nun schon seit mehreren Jahren und bin wirklich glücklich mit dieser Lösung. Auch nach dem Umstieg letztes Jahr auf den Haida 150mm Serie Filterhalter konnte ich meinen kurzen Objektivdeckel ohne Einschränkung einfach weiter verwenden. Mein „Nikon LC-1424 Mark II“ hält seit dem Umbau in jeder fotografischen Lebenslage bombenfest.

19 Kommentare zu “Nikon LC-1424 Mark II”

  1. Lieber Manfred

    Der Bericht kommt gerade zur rechten Zeit! Ich habe mir vor zwei Wochen ein Haida 150mm Filtersystem zugelegt und nach einer passenden Lösung gesucht. Tolle Anleitung!

    LG
    Markus

  2. Hallo Manfred,

    Besten Dank für den aufschlussreichen Beitrag! Er zeigt, wie nah eigentlich gute Lösungen sind.

    Darf ich fragen, weshalb bist du vom Lee zum Haida gewechselt?

    Schöne Grüße aus dem Rheinland!
    Christian

    • Hallo Christian

      Ich danke Dir vielmals. Ja, manchmal braucht es nicht viel, um ein Produkt entscheidend zu verbessern.

      Ich habe mir den Lee SW-150 schon im Jahr 2011 zugelegt, als der Haida 150 Serie Filterhalter noch nicht auf dem Markt war. Der Lee SW-150 war damals wegen des seitlichen Lichteinfalls berüchtigt und überhaupt nicht für Langzeitbelichtungen und nur bedingt für den Filtereinsatz mit Grauverlaufsfiltern brauchbar. Ich hatte deswegen mehrmals mit den Leuten von Lee Kontakt und Lösungen vorgeschlagen.

      Als dann Haida seinen Halter vorstellte, habe ich ihn mir genauer angesehen und nach einer ausführlichen Testphase überzeugt gewechselt. Mittlerweile hat Lee reagieret und den SW-150 Mark II auf den Markt gebracht. Dieser ist nun nicht nur günstiger zu haben, sondern hat dank des Lightshields keine Probleme mit dem seitlichen Lichteinfall mehr. Der Haida ist dennoch deutlich leichter, günstiger in der Anschaffung und sowieso frei von störendem Lichteinfall. Ich finde ihn einfach besser konstruiert, auch wenn er von der Verarbeitungsqualität nicht mit Lee mithalten kann. Verwendet man mit dem Haida allerdings zwei oder drei Filter gleichzeitig, also z.B. einen Graufilter, einen circ. Polfilter und einen Grauverlaufsfilter, dann kann es bei ungünstigen Lichtverhältnissen wie auch beim Lee SW-150 immer noch zu Problemen kommen.

      Verbreitet ist in diesem Zusammenhang die Verwendung eines Schlauchschals, den man allerdings mehrfach umnähen muss und dann seitlich über die zwei oder drei Filter überzieht. Es gibt dazu einige Anleitungen im Internet, die Bezugsquelle und Herstellung beschreiben. Meines Erachtens ist aber keine dieser Lösungen vollständig zu Ende gedacht. Ich habe mich selbst auf die Suche nach einer einfacheren Lösung gemacht, die nicht einen solchen Nähaufwand nach sich zieht. Ein Artikel dazu ist momentan in Planung und wird sicher noch dieses Jahr hier im Blog erscheinen. Ich würde mit dem Nähen also noch warten ;).

      Wenn du noch unschlüssig bist wegen der Wahl des Filterhalters, empfehle ich dir unbedingt den Haida 150. Bestell ihn einfach mal zur Ansicht. Du kannst ihn hier beziehen: Haida 150 Serie Filterhalter. Möchtest du mehr als zwei Filter gleichzeitig verwenden, dann wirst du noch ein Paar zusätzliche Filtereinschubhalter brauchen. Die gibt es hier: Haida Filtereinschubhalter. Wenn du Fragen zu Grau- Pol- und Verlaufsfiltern hast, kann ich dir auch gerne helfen. Schreib mir dazu einfach eine Nachricht über das Kontaktformular.

      Wie du den Objektivdeckel umbauen kannst, weisst du ja jetzt :).

      Viele Grüße
      Manfred

    • Hallo Anita

      Vielen Dank für die Blumen. Ich habe erst begonnen. Es gibt noch nicht viel zu sehen, ausser diesem Beitrag über den Objektivdeckel.

      Ich wünsche Dir eine schönes Wochenende.

      Viele Grüße
      Manfred

  3. Hallo Manfred,

    vielen Dank für die freundliche Erwähnung in Deinem Blogpost. Ich bin zwar aus dem Canon Lager, aber wer weiß ….. Daher vielen Dank auch für das freie Teilen Deiner Erfahrungen! Wer weiß ob ich sie vielleicht noch einmal gut gebrauchen kann.

    beste Grüße aus Niedersachsen
    Dirk

  4. Hallo Manfred,
    ich habe eine (für mich) einfachere Lösung gefunden: Ich setze den Original-Objektivdeckel auf das Objektiv, an dem der Ring des Haida-Filterhaltes montiert ist und stülpe dann die besagte Neoprenhülle einfach darüber. Das geht anfangs ein wenig schwer, aber im Laufe der Zeit weitet sich die Neoprenhülle etwas und läßt sich mit relativ wenig Kraft und Gefummel abnehmen und aufsetzen. So ist das Objektiv weiterhin durch den stabilen Originaldeckel geschützt.
    Viele Grüße,
    Thomas

    • Hallo Thomas,

      Danke für Deinen Kommentar. Habe das eben auch an meiner Kombi getestet. Ein mir bisher unbekannter Weg und auch ganz gut, obwohl ich es (noch) nicht mit einer Hand bewerkstelligen konnte. Würde sich bestimmt mit etwas Übung verbessern, wenn die Neopren-Hülle etwas ausgeweitet ist, wie bei Dir. Interessant! Danke.

      Viele Grüße
      Manfred

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